Der zweite Kraftlaib ist ein sehr deftiges Weizenvollkorn-Sauerteigbrot. Wie bei dem Kraftlaib #01 ergibt das Rezept zwei Laibe á ~ 750g. Durch den hohen Vollkorn-Anteil bindet das Mehl mehr Wasser, weshalb wir mit wesentlich mehr Wasser arbeiten, als im ersten Rezept. Dank dem Vollkorn-Mehl besitzt das Brot allerdings auch eine bessere Nährstoffbilanz – mehr komplexe Kohlenhydrate, die den Insulinspiegel langsamer ansteigen lassen und mehr Ballaststoffe, die einer gut funktionierenden Verdauung zuträglich sind. Auch geschmacklich bringt das viele Vollkorn-Mehl mehr „Würze“ hinein, der leicht erhöhte Salzanteil soll das noch unterstreichen. Wer es gerne deftig mag, liegt hier genau richtig!

Kraftlaib #02
Die grundlegenden Techniken & Abläufe sind identisch zu den anderen Kraftlaib-Rezepten, weshalb ich sie hier als aufklappbare Textblöcke einbinde. So bleibt das Rezept kurz und übersichtlich. Bei Bedarf können die Arbeitsschritte durch einen Klick eingeblendet werden.
Zutaten
Benötigte Utensilien (klicken zum Aufklappen)
- eine große Teigschüssel
- zwei Gärkörbe
- zwei Küchentücher
- eine Küchenwaage
- ein Küchenthermometer
- ein Messbecher
Optional sind hilfreich:
- eine extra Schüssel für das Abwiegen des Sauerteiges
- ein Teigschaber
- eine Brotlahme
- eine Mehlschaufel
Zum Backen schließlich benötigen wir mindestens einen – optimalerweise zwei – gusseisernen Bräter. Ob eine klassische Cocotte oder, wie auf den Begleitbildern, ovale Brotbräter, ist dem eigenen Geschmack überlassen.
| Zutat | Menge | Bäcker-Prozent |
| Weizenmehl 550 (Bio) | 400g | 40% |
| Weizenvollkornmehl (Bio) | 600g | 60% |
| Wasser (30°C) | 850g | 85% |
| Salz | 28g | 2,8% |
| Weizenvollkorn-Sauerteig | 200g | 20% |

Zeiten
| Arbeitsschritt | Zeit | Kommentar |
| Autolyse | 10 Minuten | Mehl und Teig sollen Zeit haben, sich grob miteinander zu verbinden |
| Stockgare | 12 Stunden | bei 21°C Raumtemperatur |
| Falten | min. 4x mal | jeweils min. 30min Abstand |
| Stückgare | 2 Stunden | bei 21°C Raumtemperatur |
| Backen mit Deckel | 30 Minuten | bei 250°C Ober-/Unterhitze |
| Backen ohne Deckel | 15 Minuten | bei 250°C Ober-/Unterhitze |
Teig-Zubereitung & Backvorgang
Der Teig wird durch den hohen Vollkorn-Anteil ein wenig klebriger und durch den hohen Wasseranteil etwas schwieriger zu handhaben sein als zum Beispiel der Kraftlaib #01 – außerdem müssen wir den Teig öfter Nachfalten. Mindestens vier mal, eventuell auch mehr, je nachdem, wie gut der Teig seine kugelartige Form nach dem Falten von alleine halten kann. Die Glutenstränge, die den Teig so dehnbar machen, bilden sich im Vollkornmehl nicht so stark aus, weswegen wir nachhelfen müssen, wenn das Brot schön aufgehen und die Krume schön fluffig werden soll.
Den Teig zubereiten (klicken zum Aufklappen)
Zunächst werden alle trockenen Zutaten, also sowohl das Weizenmehl 500, als auch das Vollkornmehl und das Salz, in der großen Teigschüssel miteinander vermischt (Bild 2).
Danach kommt das ca. 30°C warme Wasser dazu. Wir vermengen das Mehl und das Wasser bis sich die Zutaten grob miteinander verbunden haben (Bild 3).
Nun lassen wir dem Wasser und dem Mehl etwas Zeit, sich schon einmal grob miteinander zu verbinden. Dieser Vorgang nennt sich Autolyse – währenddessen kümmern wir uns um unseren Sauerteig. Wir nehmen die 200g, die wir für unser Brot benötigen ab, entsorgen den Rest bis auf die 2-3 Esslöffel, die wir wieder mit 125g Weizen-Vollkornmehl und 125g Wasser füttern. Danach kann der Sauerteig wieder in den Kühlschrank, um für die nächste Back-Session Kräfte zu sammeln.
Als nächstes mengen wir die 200g Anstellgut unter den Teig und fangen an, den Teig zu kneten. Hier gehe ich gerne mit einer Mischung aus der Scherentechnik (Bild 4) und der Falttechnik (Bild 5 & Bild 6) vor. Beim Falten nehmen wir nacheinander ringsum ein Stück vom Teig, ziehen ihn etwas in die Länge und legen ihn dann über den Rest des Teiges. So arbeiten wir uns um den Teig herum vor und falten immer wieder ein Stück über den Rest des Teiges. Das schichtet nach und nach die Glutenstränge übereinander und führt zu einem elastischen Teig, der schön aufgehen wird. Bei der Scherentechnick „zwicke“ ich mit den Fingern den Teig an mehreren Stellen durch, um danach mit dem Falten weiter zu machen. Dadurch stellen wir sicher, dass etwaige Mehlklumpen, die sich noch im Teig verstecken, aufgebrochen werden.
Wenn der Teig nun ca. 5-10 Minuten so bearbeitet wurde und eine gleichmäßige Konsistenz hat, können wir ihn mit einem Küchentuch abdecken und erst einmal sich selbst überlassen.
- Nach ca. einer Stunde kann dann das erste Mal nachgefaltet werden. Wir arbeiten uns mit der Falttechnik wieder rings um den Teig herum, ziehen ein Stück des Teiges in die Länge und falten es in die Mitte (Bild 7 & Bild 8). Der Teig sollte mittlerweile schon deutlich glatter und elastischer sein. Achte darauf, es mit dem Ziehen nicht so zu übertreiben, dass der Teig reißt, damit der Teig später schön aufgehen kann.
- Dieser Prozess wird dann insgesamt mindestens vier mal durchgeführt, jeweils mit mindestens einer Stunde Abstand zwischen den Faltvorgängen. Dabei wird dir auffallen, dass der Teig mit jedem Mal fester und elastischer werden wird und seine Kugelform am Ende des Faltens länger beibehält (Bild 9). Das ist ein gutes Zeichen! Das Falten kann jederzeit in dem Zeitraum der Stockgare passieren, allerdings sollte der Teig vor Ablauf der 12 Stunden mindestens eine Stunde ruhen können.
- Hat sich unser Teigvolumen mindestens verdoppelt (Bild 10), ist die Stockgare abgeschlossen und wir können den Teig in Laibe aufteilen und formen. Dazu bemehlen wir die Arbeitsfläche oder Backmatte und die Gärkörbe mit etwas Vollkornmehl (das nimmt nicht so schnell Feuchtigkeit auf und lässt den Teig nicht so kleben) und geben den Teig aus der Schüssel auf die Arbeitsfläche (Bild 11). Wir teilen den Teig in zwei möglichst gleich große Stücke (Bild 12).
- Das eine Teigstück legen wir beiseite und beginnen damit, das verbliebene Stück zu einem Rechteck zu dehnen (Bild 13). Dann nehmen wir die Ecken des Rechtecks, dehnen sie etwas und legen sie nach innen um. Mit dem daraus entstehenden Achteck verfahren wir genauso. Dann nehmen wir den Teigling noch einmal links und rechts, klappen die Kanten einmal nach innen und erhalten so ein längliche Form. Schließlich nehmen wir den oberen Teil des Teiglings und rollen ihn nach unten auf. Zu guter Letzt nehmen wir die Teigkugel zwischen beide Hände und ziehen sie behutsam mit kreisenden Bewegungen über die Arbeitsfläche. Sobald die Teigkugel schön glatt und rundlich ist (Bild 14), legen wir sie in den Gärkorb. Genauso wird mit dem zweiten Stück Teig verfahren.
- Danach müssen die Teigstücke noch einmal circa zwei Stunden bei Raumtemperatur gehen. Wir bestreuen sie also mit etwas Vollkornmehl und decken sie mit Tüchern ab (Bild 15). Rechtzeitig vor Ablauf der zwei Stunden sollten wir den Ofen zusammen mit den gusseisernen Brätern auf 250°C vorheizen.

Backvorgang (klicken zum Aufklappen)
- Nach zwei Stunden (und wenn der Ofen seine Temperatur erreicht hat), können wir endlich mit dem Backen beginnen! Dazu nehmen wir die gusseisernen Bräter aus dem Ofen und nehmen die Deckel ab. Dann kippen wir die Teiglinge vorsichtig auf die Arbeitsfläche, heben sie mithilfe des Teigschabers auf den Bräterboden und schneiden dann mithilfe einer Brotlahme (alternativ geht auch ein sehr scharfes Messer oder eine Rasierklinge) den Teigling ein (Bild 16). Bei ovalen Broten bevorzuge ich einfach einen langen Schnitt über die gesamte Länge des Brotes, bei runden Broten schneide ich gerne über Kreuz ein. Das hilft dem Teig dabei, gleichmäßig aufzugehen. Dann setzen wir die Deckel auf die Bräter und geben diese für 30 Minuten in den Ofen (Bild 17).
Solltest Du nur einen Bräter zur Verfügung haben, klicke hier für ein paar Tipps!
Bei nur einem Bräter müssen wir die Brote nacheinander backen. Das ist aber kein Problem! Sobald wir den Backofen zum Vorheizen anschalten, stellen wir einfach einen der beiden Teiglinge in den Kühlschrank. Diesen backen wir dann als letztes. Durch die Kälte im Kühlschrank wird der Gärprozess verlangsamt und damit die längere Gärzeit ausgeglichen.
- Nach 30 Minuten nehmen wir den Deckel der Bräter ab (Bild 18). Jetzt wird es spannend! Nun können wir endlich sehen, ob bisher alles geklappt hat und die Brote schön aufgegangen sind! Ohne die Deckel verbleiben die Brote nun noch circa 15 Minuten im Ofen, um schön goldbraun zu werden und eine knackige Kruste zu bekommen. Solltest Du das Brot nicht ganz so kross bevorzugen, kannst du es auch ohne weiteres schon ein paar Minuten vorher heraus nehmen – die durch das Bräunen entstehenden Röstaromen geben dem Brot allerdings eine tolle Geschmacksnote (Bild 19)!
- Nach Ablauf der Backzeit kannst Du die Brote aus dem Ofen nehmen und auf einem Ofenrost abkühlen lassen (Bild 20). Auch wenn die Versuchung vielleicht groß ist, gleich ein Stück zu probieren, würde ich Dir empfehlen, damit noch mindestens 20 Minuten zu warten. Der Brot bäckt durch die in sich selbst gespeicherten Hitze nämlich auch jetzt noch ein wenig weiter – und was sind nach all den Stunden jetzt noch ein paar Minuten, bis man das perfekte, selbst gebackene Brot probieren kann?

Fazit
Wunderbar deftig, sehr bekömmlich und trotzdem zu allem passend – die leicht erschwerte Teighandhabbarkeit macht der Kraftlaib #02 dadurch mehr als wieder wett. Persönlich finde ich hohe Vollkorn-Anteile geschmacklich klasse und könnte ihn durchaus auch noch mehr erhöhen, die 60% stellen finde ich aber einen tollen Mittelweg aus den Vorteilen von Vollkorn und der „Leichtigkeit“ von hellem Mehl dar, sodass das beste aus beiden Welten hier vereint wird. Hervorragend schmeckt das Weizenvollkorn-Brot zum Beispiel mit Avocado, Tomatenscheiben und ein paar roten Zwiebelringen, garniert mit Pfeffer und Salz – einfach fantastisch!





















